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Strickgruppe - Eins rechts eins links für den guten Zweck
Seit 1977 existiert in unserer Gemeinde eine Strickgruppe. Nunmehr 30 Jahre stricken jahrein jahraus fleißige Frauen der Gemeinde Decken für die Mission. Die Bescheidenheit dieser Gruppe und die Verteilung der Decken ohne viel Aufsehens, trug dazu bei, dass dieses Jubiläum in der Gemeinde unbemerkt blieb.
Alljährlich im Herbst steht in unserer Gemeinde ein wichtiger Transport an, den jedoch kaum jemand wahrnimmt: Die Decken, die während des vergangenen Jahres gestrickt wurden, werden der Mission überlassen, um die Not bei den ganz Armen dieser Welt wenigstens minimal zu lindern. Zurzeit stricken acht bis zehn Frauen, die sich an jedem ersten und dritten Montag im Monat im Gemeindezentrum St. Vitus in Hilchenbach treffen, gemeinsam für die Mission. Manchmal mutet das Treffen einer konspirativen Zusammenkunft an, da in dem Strickraum mitunter nicht einmal die Rollläden hochgezogen sind. Seit dem Bestehen der Gruppe, deren Mitglieder natürlich im Laufe der Zeit wechselten, wurden bis zum Herbst des Jahres 2004 schon 899 Decken erstellt. Und im Jahr 2005 kamen noch einmal 51 dazu. Die Strickgruppe hatte schon 2005 erneut einen neuen Rekord aufgestellt. Im Jahr 2006 hat die Strickgruppe nun ein besonders tolles Jubiläum gefeiert. Die 1.000ste Decke konnte Mitte Oktober auf die Reise nach Ungarn gehen. Um dieses Jubiläum sicher zu schaffen hat die Gruppe, die sich auch nach nunmehr 30 Jahren seit dem Bestehen noch keinen Namen gegeben hat, in diesem Jahr einen neuen Rekord geschafft: 68 Decken wurden gestrickt . Damit hat die Gruppe nunmehr 1.018 Decken nach Indien und nach Ungarn geschickt. Für die einen in der Gruppe ist es alle 14 Tage ein geselliges Beisammensein, während dessen man Decken strickt, mit denen sich die Ärmsten der Armen während ihres Krankenhausaufenthaltes zudecken können. Andere stricken zu Hause oder schicken gar – dem Internetauftritt der katholischen Pfarrgemeinde St. Augustinus Keppel sei Dank – die Decken von außerhalb fertig gestrickt per Post. Da werden große Decken gestrickt, aber auch kleinere für die Kinderbetten in den Kliniken. Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 entstand auch eine „Weltmeisterschaftsdecke“ in den Farben der deutschen Nationalflagge.
Rechnet man für eine Decke durchschnittlich rund 80.000 Maschen, so hat die Gruppe für die bisher erstellten Decken rund 80 Millionen Maschen gestrickt, auch wenn das wegen der unterschiedlichen Maße der Decken und der Dicke der Wolle nicht exakt ermitteln kann. Übrigens: die Strickerinnen können ständig nicht mehr benötigte Wollreste gebrauchen, da ein Ankauf der Wolle zu teuer ist.
Das Erfreuliche dabei ist, dass die Anzahl der Decken in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. War man im ersten Jahr noch stolz auf vier Decken, die in die Mission geschickt werden konnten, so gibt es heute „Strickwütige“, die allein sechs bis sieben Decken zur Auslieferung an die Ärmsten der Armen beitragen. Dabei waren die Treffen schon einmal fast in Vergessenheit geraten. Einige Frauen, die sich zu Vorbereitungen auf die traditionelle jährliche Elisabethfeier trafen, beschlossen dann vor Jahren, sich wieder regelmäßig zweimal im Monat zu treffen. Nicht nur wegen der „Strickerei“, sondern auch um die Geselligkeit untereinander zu pflegen.
Solche Ergebnisse sind natürlich nicht zu schaffen, wenn man nur während der Stricknachmittage aktiv ist. Alle Strickerinnen nutzen zu Hause zahllose freie Minuten, um die Stricknadeln für die Mission klappern zu lassen. Einige können aus Gesundheitsgründen auch nur noch zu Hause stricken.
Selbst im Urlaub gehört das Strickzeug bei vielen der fleißigen Frauen fest zum Urlaubsgepäck. So wunderte sich ein Urlaubsgast vor vielen Jahren am Gardasee über eine im Liegestuhl in der Sonne liegende Strickerin und bestätigte ihr, noch nie jemanden gesehen zu haben, der im Schlafen strickt. Auch bereits vor der Fertigstellung in der Sonne „verschossenes“ Gestricktes konnte bereits nach einem sonnigen Urlaub beobachtet werden. Nun denn, Farbechtheit zählt bei der „Zielgruppe“ nicht.
Die Decken wurden bis zum Jahr 2001 für die Mission in Andheri in Indien gestrickt. Dort werden sie für Säuglinge oder Kranke in Hospitälern verwendet. Für Leprakranke sind die Decken oft der einzige Besitz. Für den Transport zu einer Sammelstelle in Dülmen, wo die Decken für den Transport pe r Schiff zu Ballen gepresst werden, kümmerte sich in der jüngeren Vergangenheit Frau Saßmannshausen, so dass für die Strickgruppe keine Transportkosten anfielen.
Der Transport im Jahr 2001 war voraussichtlich vorläufig der Letzte, dessen Ziel Indien war, da, vorsichtig formuliert, „die Hindus allzu aktive Hilfeleistung von Christen in ihrem Land nicht begrüßen“. Die Lieferungen in den Jahren danach gingen zu Hilfebedürftigen nach Rumänien.
Die Frauen verwenden zum Stricken Wollreste, die von Gemeindemitgliedern und anderen Förderern des guten Zwecks gespendet werden. So findet sich in der Kirche in Hilchenbach neben dem Eingang zur Sakristei manch’ anonyme Spende. Wollreste werden von der Gruppe immer dankbar angenommen, da ein Kauf für diesen Zweck zu teuer ist.
Wenn Sie Wollreste spenden können oder gar mitstricken möchten, würde sich die Strickgruppe sehr darüber freuen und Sie herzlich willkommen heißen. Die Gruppe sucht noch dringend “Mitstrickerinnen”, die in geselliger Runde die Nadeln für den guten Zweck klimpern lassen möchten. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte an Frau Berg, Tel.:02733/4473. Alljährliche Publizität, die den Gruppen gewiss ist, die auf Basaren verkaufen und den Erlös aus Produkten ihrer Arbeit in Euro zählen können, sagen Ihnen die Frauen der Strickgruppe jedoch nicht zu.
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